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Rezension

Teddy : 2005-01-21 23:52:09

Tach.
Dieses Update holt nun endlich auf, was ich schon seit 2-3 Wochen angekündigt habe, nämlich eine Rezension eines neuen Buches zu machen.
Da ich nach Lektüre des Buches noch einige Fragen hatte, bat ich den Herausgeber noch um einige Informationen, und die hat er mir in einem persönlichen Treffen auch gegeben.
An dieser Stelle vielen Dank, Herr Graeff, dass Sie trotz des eng begrenzten Zeitfensters noch die Muße dazu fanden (und ich weiß, dass Sie das hier lesen werden a smily
Auf gehts:


MC Graeff (Hrsg.),
"Die Welt hinter den Wörtern"
Eine Anthologie zur Geschichte und Gegenwart des Anagramms
240 Seiten, 25 €
zu bestellen bei martin.wallimann@kulturfenster.ch


Die Geschichte des Anagramms beginnt früh, das ist vielleicht sogar bekannt und ist auch in diversen Lexika nachzulesen. Wenn man Glück hat, findet man dort auch Beispiele, Begebenheiten, Namensnennungen.
Populäre Publikationen streifen das Thema höchstens, Liebhaberveröffentlichungen mögen tiefer gehen, sind aber nur schwer erhältlich (und zB in Bibliotheken gar nicht auffindbar). Einzige (?) Ausnahme mag "Das Anagramm-Geheimnis" von Carmen Thomas, der bekannten Moderatorin und Buchautorin sein. Dem Buch werfe ich aber immer noch vor, zum einen nicht tiefgründig genug zu sein, zum anderen eher eine Selbstbewerbung einer "von ihr entwickelten" Assoziations- und Moderationsmethodik zu sein. (Davon abgesehen wäre auch eine familiäre (?) Beziehung zur Anagrammkünstlerin Christina Thomas nicht ganz unkritisch, da auch das als Werbung durchgehen könnte. Allerdings habe ich bis heute nicht rausgefunden, ob die beiden Personen verwandt sind...)
Es liegt hier also erstmals eine tiefgehende Analyse der anagrammatischen Welt vor.

Ein großer Teil des Buches (70 Seiten) wird von Thomas Brunnschweilers kulturhistorischem Essay belegt. Mit großem Sachverstand, einem durch riesigen Rechercheaufwand unterfütterten geschichtlichem Abriss in bisher nie dagewesener Vielfalt, schildert er eine Zeitreise durch die anagrammatische Welt. Sehr aufschlussreich und das Beste was ich bisher in dieser Richtung gelesen habe.
Fundiert, lesbar, aufhellend, eine großartige Abhandlung. Dabei sind neben bekannten Fakten auch etliche mir völlig unbekannte Tatsachen aufgeführt, die es auch wirklich verdient haben, einmal in einem Buch deutlich aufgezeigt zu werden.
Der Bogen spannt sich weiter, essayistisch, über die elektronische Unterstützung durch Computer, bis zu den lyrischen Untersuchungen der Unica Zürn. Viele, viele Beispiele sind zitiert und geben einen kleinen Überblick über das anagrammtische Schaffen der neueren Zeit.
Das Ganze ist ganz und gar gelungen, ich habe das Lesen und Studieren sehr genossen.
Wo liegt also die Kritik? Nun, das ist genau der Grund, warum ich mich unbedingt noch mit dem Herausgeber abstimmen wollte. Und der konnte auch gleich meine Kritik außer Kraft setzen:
das anagrammtische Feld ist groß, das fällt gerade deshalb auf, weil "Die Welt hinter den Wörtern" einen so schönen großen Bogen spannt. So ist es also der selbstoffenbarende Fluch, der erkennen lässt, dass noch so viele Teilgebiete des Anagramms fehlen.
Die Entwicklung der letzten 10-15 Jahre im literarischen und künstlerischen Bereich ist praktisch nicht abgebildet. Es ist zwar ein Essay zum Einsatz von Computern enthalten, die Folgerung aber, nämlich dass die elektronische Revolution ein Umdenken beim Anagrammieren bewirkt hat, bzw. ein Wandel von einer rein ludistischen "Wahrheitssuche" zu einem schon fast wissenschaftlichen Qualitätsanspruch geführt hat, ist nicht vorhanden.
Die überbordende Phantasie der englischsprachigen Anagrammatiker mit ihren irren Ideen und phantastischen Ausgestaltung fehlt. Die Ausweitung des Anagramm-Begriffs und der Methodik in andere Bereiche, also zB in die Musik, fehlt.
ABER: genau das wird in einem Folgeband beleuchtet (anvisierter Temin: Oktober diesen Jahres). Leicht verständlich: das alles in einen einzigen Band zu packen, wäre wirtschaftlich wie auch organisatorisch ein vermeintliches Disaster geworden.
Insofern mögen die hier von mir geäußerten Kritikpunkte ganz deutlich der Hinweis sein, dass "Die Welt hinter den Wörtern" ein unabdingbarer erster Teil einer zwei-(oder mit viel Glück mehr-)bändigen Anthologie ist.
Durchweg von mir also das positivste aller Ergebnisse: Ein lehrreiches, kurzweiliges und sehr interessantes Projekt, welches niemand, der Anagramme mag, missen sollte. Also bitte nun eine mail an den Verlag, das Geld ist sehr gut angelegt!   

 
Das war es für heute. Schö, HaPe!
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